Gasflaschenschrank für technische Gase – Sicherheits- und Lüftungsanforderungen
Ein Gasflaschenschrank schützt das Laborpersonal vor Brand und Explosion, indem er Druckgasflaschen mit technischen Gasen sicher isoliert. In diesem Artikel erläutern wir, welche Anforderungen die Norm EN 14470-2 stellt, was die Feuerwiderstandsklasse G90 bedeutet und wie die Lüftung und Erdung des Schranks richtig ausgewählt werden.
Was ist ein Gasflaschenschrank und wovor schützt er?
Ein Gasflaschenschrank ist ein spezielles Labormöbel, das für die sichere Lagerung und Isolierung von Druckgasflaschen innerhalb eines Gebäudes bestimmt ist. Seine Hauptaufgabe ist der Schutz des Personals und der Laborausstattung vor den Folgen eines Zwischenfalls mit komprimiertem Gas.
Die Konstruktion wird individuell gewählt, abhängig von der Anzahl und Größe der zu lagernden Flaschen – typische Varianten umfassen Schränke für 1, 2 oder 4 Flaschen mit einem Fassungsvermögen von 50 Litern. Dieser Parameter beeinflusst die Abmessungen, die Lüftungsleistung und die Art der Flaschenbefestigung.
Ein geschlossener, belüfteter Schrank bietet ein deutlich höheres Sicherheitsniveau als ein offenes Regal, da er die Ausbreitung eines möglichen Lecks begrenzt und vor dem Zugriff unbefugter Personen schützt. Zu den grundlegenden Merkmalen einer solchen Ausstattung gehören eine feuerbeständige Konstruktion, eine Zwangsbelüftung, ein Flaschensicherungssystem sowie verschließbare Türen.
Diese Art von Möbeln gehört zur breiteren Kategorie der Sicherheitsschränke, die in Laboren eingesetzt werden, neben Lösungen für die Lagerung von Chemikalien.
Welche Gefahren birgt die Lagerung von Gasflaschen im Labor?
Unter Druck stehende technische Gasflaschen stellen mehrere voneinander unabhängige Gefahrenquellen dar, weshalb die Regeln für ihre Aufstellung und Sicherung genau festgelegt sind. Orte, an denen die Lagerung von Flaschen unzulässig ist, umfassen Treppenhäuser, enge Durchgänge und Fluchtwege, Garagen sowie Räume unterhalb des Bodenniveaus. Diese Einschränkungen ergeben sich aus dem Risiko einer Behinderung der Evakuierung sowie der Ansammlung von Gasen, die schwerer als Luft sind, in Vertiefungen.
Zu den Hauptgefahrenfaktoren zählen Brand, starke Erwärmung der Flasche, Korrosion des Ventils und des Flaschenmantels, mechanische Beschädigung beim Transport oder Umkippen sowie unbefugter Zugriff durch Außenstehende. Dieser letzte Faktor wird durch abschließbare Schranktüren eliminiert, was gleichzeitig das Risiko eines versehentlichen Öffnens des Ventils verringert.
Es besteht ein bedeutender Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Stahlschrank und einem zertifizierten feuerbeständigen Schrank, der die Anforderungen der Norm EN 14470-2 erfüllt. Ein herkömmlicher Metallschrank schützt lediglich vor mechanischer Beschädigung und dem Zugriff unbefugter Personen, garantiert jedoch nicht die Aufrechterhaltung einer sicheren Innentemperatur im Brandfall. Eine zertifizierte Konstruktion durchläuft Brandprüfungen, die eine bestimmte Widerstandsdauer bestätigen.
Die sichere Einführung der Gasinstallation in den Schrank erfordert den Einsatz entsprechend gesicherter Durchführungen, meist im Deckenbereich, die zu den Druckminderern führen. Diese Lösung verhindert ein unkontrolliertes Eindringen von Gas in den Raum bei einer Undichtigkeit an der Verbindungsstelle.
Die Regeln für die Positionierung der Flaschen im Schrank sind eindeutig: Flaschen werden aufrecht gelagert und mit Gurten oder Ketten gegen Umkippen gesichert. Flaschen, die Gas in flüssiger Form enthalten, dürfen unter keinen Umständen liegend gelagert werden, da dies die ordnungsgemäße Funktion des Sicherheitsventils beeinträchtigt und das Risiko eines unkontrollierten Austritts erhöht.
Von erheblicher Bedeutung ist auch ein angemessener Abstand zu Wärmequellen. Ein Gasflaschenschrank sollte fern von Heizkörpern, Strahlern und anderen Anlagen, die hohe Temperaturen erzeugen, aufgestellt werden, um einen übermäßigen Druckanstieg im Inneren der Flaschen zu vermeiden. Im Winter sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass die Flaschen beim Transport zwischen unterschiedlich beheizten Bereichen keinen plötzlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt werden.
Welche Normen regeln Gasflaschenschränke – was ist die Klasse G90?
Das grundlegende Dokument, das die Konstruktion und Prüfung von Gasflaschenschränken regelt, ist die Norm EN 14470-2. Sie legt unter anderem Anforderungen an die Feuerwiderstandsfähigkeit, die Lüftung und die Kennzeichnungsweise fest.
Die Klasse G90 bedeutet, dass der Schrank unter Brandprüfbedingungen eine sichere Temperatur am Ventil der gelagerten Flasche 90 Minuten lang aufrechterhält, was dem Personal Zeit zur Evakuierung und den Einsatzkräften Zeit zum Reagieren gibt. Zu den konstruktiven Anforderungen gehören feuerbeständige Wände und Decken, selbstschließende Brandschutztüren sowie ein schwer entflammbarer Boden. In Räumen unterhalb des Bodenniveaus gelten zusätzlich mengenmäßige Beschränkungen hinsichtlich der zulässigen Anzahl und des Fassungsvermögens der gelagerten Flaschen. Einen ergänzenden Bezugspunkt in der Branche bilden die deutschen TRGS-510-Richtlinien zur Lagerung gefährlicher Stoffe.
Welche Bedingungen muss die Lagerung von Flaschen im Schrank erfüllen?
Die Flaschen werden aufrecht in den Schrank eingebracht, meist über eine eingebaute Auffahrrampe, die das Ventil vor einem Aufprall auf die Kante der Konstruktion schützt. Im Inneren werden die Flaschen mit Gurten oder Ketten gesichert, die ein Umkippen während des Betriebs verhindern.
Eine wichtige Regel ist die Trennung von brennbaren und oxidierenden Gasen – die gemeinsame Lagerung beider Gruppen ist nur zulässig, wenn ein zertifizierter Schrank, der die Anforderungen der Norm EN 14470-2 erfüllt, für eine solche Lösung ausgelegt wurde und eine entsprechende Trennung der Zonen gewährleistet. Das Flaschenventil sollte zusätzlich vor versehentlichen Stößen geschützt werden, was das Risiko einer mechanischen Beschädigung verringert.
Innenschrank oder externes Gaslager – was wählen?
Ein Innenschrank, der im Laborgebäude aufgestellt wird, muss über eine zertifizierte Feuerwiderstandsfähigkeit (z. B. Klasse G90) sowie eine Zwangsbelüftung verfügen, da seine Aufgabe der Schutz des im selben Raum anwesenden Personals ist. Diese Lösung eignet sich dort, wo sich die Gasentnahmestelle in der Nähe des Arbeitsplatzes befindet.
Ein externes Gaslager folgt einem anderen Prinzip – seine Konstruktion ist an mindestens zwei Seiten offen, was für eine natürliche Durchlüftung sorgt und den Bedarf an einer mechanischen Lüftung entfallen lässt. Zusätzlich benötigt es Schutz vor Sonneneinstrahlung, UV-Strahlung und übermäßiger Erwärmung, und sein Standort muss Sicherheitsabstände zu Grundstücksgrenzen und anderen Zonen berücksichtigen. Die Wahl der Variante hängt von der Gasart, der Menge und der räumlichen Anordnung der Einrichtung ab.
Welche Lüftung und Erdung muss ein Gasflaschenschrank haben?
Die Abluftanlage ist dafür verantwortlich, Gasdämpfe bei einem unkontrollierten Leck aus dem Arbeitsbereich abzuführen, was das Risiko der Bildung einer explosionsfähigen oder toxischen Atmosphäre unmittelbar verringert. Die Richtung der Luftabführung (von unten oder von oben aus dem Schrank) wird abhängig von der Dichte des jeweiligen Gases im Verhältnis zur Luft gewählt.
Die erforderliche Luftwechselrate hängt von der Gefahrenklasse des gelagerten Mediums ab. Für brennbare und oxidierende Gase wird mindestens ein zehnfacher Luftwechsel pro Stunde angesetzt, während bei toxischen und sehr toxischen Gasen diese Werte deutlich höher liegen und mehrere Dutzend oder sogar über hundert Luftwechsel pro Stunde erreichen können.
Eine weitere Anforderung ist die dauerhafte Erdung des Schranks, die vor der Ansammlung elektrostatischer Ladungen schützt, die eine Zündung auslösen könnten. Bei der Lagerung brennbarer Gase müssen die elektrische Installation in der Umgebung des Schranks sowie dessen eventuelle elektrische Ausstattung im explosionsgeschützten Standard ausgeführt sein.
Aufgrund der Komplexität dieser Fragestellungen sollte die Planung der mechanischen Lüftung und des feuerbeständigen Schranks (einschließlich der Auswahl der mechanischen Lüftung und der Parameter der Gasinstallation) stets mit einem Planer für Sanitärinstallationen sowie einem Sachverständigen für Brandschutz abgestimmt werden.
Wie schließt man einen Gasflaschenschrank an eine Absauganlage an?
Der Anschluss des Schranks an das mechanische Lüftungssystem erfolgt über einen Abluftstutzen, der das Innere des Schranks mit dem Abluftkanal des Gebäudes verbindet. Parallel dazu wird ein Erdungsanschluss hergestellt, der das Risiko einer elektrostatischen Aufladung der Konstruktion beseitigt.
Die Gasinstallation wird durch gesicherte Durchführungen eingeführt, die sich meist in der Decke des Schranks befinden und zu den an den Flaschen montierten Druckminderern führen. Korrekt ausgeführte Durchführungen schützen davor, dass Gas an der Durchtrittsstelle der Leitung in den Raum entweicht.
Aufgrund der Sicherheitsanforderungen sollte die Installation ausschließlich von einem zugelassenen Installateur durchgeführt werden, und das gesamte Projekt zur Integration der Laborausstattung in das Lüftungssystem sollte bereits in der Planungsphase mit einem Brandschutzsachverständigen abgestimmt werden.
Wo sollte ein Gasflaschenschrank im Labor aufgestellt werden?
Der Standort des Schranks hängt von der Art der Einrichtung ab – in Forschungslaboren, Industrieanlagen, medizinischen Einrichtungen oder Lagerbereichen gelten unterschiedliche Anforderungen. Eine gemeinsame Regel bleibt jedoch: den Schrank so nah wie möglich an der Gasentnahmestelle aufzustellen, was die Länge der Installation verkürzt und das Ausfallrisiko entlang der Rohrleitung verringert.
Schränke dürfen nicht auf Fluchtwegen, in Verkehrswegen oder in der Nähe von Wärmequellen aufgestellt werden. Es lohnt sich zudem, die gesamte Laborausstattung (Möbel, Lüftung und Gasarbeitsplatz) bereits in der Planungsphase einheitlich zu konzipieren.
Wie eliminiert ein Gasflaschenschrank den explosionsgefährdeten Bereich?
Bei einem Gasleck führt ein Schrank mit Zwangsbelüftung die Dämpfe sofort aus dem Raum ab, was die Ausdehnung des explosionsgefährdeten Bereichs rund um den Arbeitsplatz begrenzt. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei auch die dauerhafte Erdung, die das Risiko einer elektrostatischen Funkenbildung als potenzielle Zündquelle beseitigt.
Ein zusätzliches Schutzelement ist die stabile Sicherung der Flaschen mit Gurten, die mechanische Schäden am Ventil verhindert, die zu einem unkontrollierten Leck führen könnten. Die Kombination dieser drei Faktoren – Lüftung, Erdung und Sicherung – sorgt dafür, dass ein zertifizierter Schrank das mit der Lagerung technischer Gase verbundene Arbeitsschutzrisiko wirksam verringert.
12. August 2026
