Ein Reagenzienschrank ist kein gewöhnliches Möbelstück, sondern das erste Element des Sicherheitssystems eines Labors. Eine schlecht gewählte Konstruktion macht sich schnell bemerkbar: durch Gehäusekorrosion, Leckagen, das Risiko unkontrollierter chemischer Reaktionen sowie durch Beanstandungen bei Arbeitsschutzprüfungen. Die Wahl des Schrankes hängt von fünf Faktoren ab: der Art der Stofflagerung, der Materialbeständigkeit, der Lüftungseffizienz, dem Auslaufschutz, der Trennung von Chemikalien sowie der Anpassung des Formats an das Labor.
Die Lagerung von Reagenzien beginnt mit dem richtigen Schrank
Viele Labornutzer betrachten die Lagerung von Reagenzien als zweitrangige Angelegenheit. In der Praxis stellen die Vorschriften jedoch weitaus höhere Anforderungen als nur den Schutz vor unbefugtem Zugriff. Entscheidend sind das Konstruktionsmaterial, die Dichtigkeit und die Art der Dämpfeableitung.
Ein gewöhnlicher Büroschrank wurde nicht für den Kontakt mit ätzenden oder brennbaren Stoffen entwickelt. Ein spezieller Sicherheitsschrank unterscheidet sich von Grund auf in seiner Konstruktion, angefangen beim Stahlblech über die Lackierungen bis hin zu den Lüftungssystemen, die in einem Standardmöbel schlichtweg fehlen.
Die Folgen können kostspielig sein. Dämpfe flüchtiger Stoffe verursachen Korrosion an der Ausstattung, und eine falsche Nachbarschaft chemischer Gruppen erhöht das Reaktionsrisiko. Bei Arbeitsschutzkontrollen ist das Fehlen eines richtig ausgewählten Chemikalienschranks ein häufiger Mangel.
Die Auswahl eines Schrankes sollte daher als Investition in die Sicherheit betrachtet werden. Der Markt bietet Lösungen mit unterschiedlichen Sicherheitsniveaus, angepasst an den Arbeitsumfang des Labors.
Materialbeständigkeit: Woraus ein guter Chemikalienschrank bestehen sollte
Die Grundlage für die Langlebigkeit eines Chemikalienschranks ist der richtig ausgewählte Stahl, der meistens pulverbeschichtet ist, um gegen die Dämpfe von Säuren und Laugen beständig zu sein. Ein zusätzlicher Korrosionsschutz sowie Innenverkleidungen aus chemikalienbeständigen Materialien verlängern die Lebensdauer des Möbels.
Ebenso wichtig ist die Beständigkeit der Arbeitsplatten und Fachböden, auf denen die Reagenzien direkt stehen. Die Arbeitsflächen sollten dem Kontakt mit Säuren, Laugen und Lösungsmitteln standhalten, ohne aufzuquellen oder ihre Dichtigkeit zu verlieren.
Ein separates Thema ist der Feuerwiderstand der Konstruktion, festgelegt durch die Norm EN 14470-1, die zwischen den Klassen 30 und 90 Minuten unterscheidet – die Zeit, in der der Schrank den Inhalt vor Feuer schützt. 30-Minuten-Sicherheitsschränke eignen sich für kleinere Mengen brennbarer Stoffe, während 90-Minuten-Sicherheitsschränke dort eingesetzt werden, wo der Lagerumfang eine längere Reaktionszeit erfordert.
Bei der Auswahl des Lieferanten lohnt es sich, auf Qualitätszertifikate zu achten, die die Überprüfung der deklarierten Parameter in unabhängigen Tests bestätigen.
Schranklüftung: Unsichtbarer Schutz vor Dämpfen
Auch ein dicht verschlossener Reagenzienschrank beseitigt das Problem der Dämpfe nicht. Flüchtige Stoffe dringen durch Dichtungen und sammeln sich im Inneren an, wenn keine kontinuierliche Ableitung gewährleistet ist. Die Lüftung ist daher genauso wichtig wie die Konstruktion des Möbels selbst.
In der Praxis kommen zwei Lösungen zum Einsatz: der Anschluss des Schrankes an das zentrale Abluftsystem des Labors oder die Ausstattung mit einem eigenen, unabhängigen Abzug. Die Wahl hängt von der Raumaufteilung und den technischen Möglichkeiten der bestehenden Anlage ab.
Ein kontinuierlicher Luftstrom ist nicht nur für den Arbeitskomfort wichtig, sondern vor allem für die Sicherheit (er begrenzt die Ansammlung von Dampfkonzentrationen im explosiven Bereich und verringert die Exposition des Personals beim Öffnen der Schranktüren).
Die Lüftung des Reagenzienschranks sollte mit der restlichen Laborinfrastruktur übereinstimmen. Eine effizient geplante Abzugslüftung und durchdachte Installationen in den Labormöbeln bilden zusammen ein kohärentes System.
Fachböden und Auffangsysteme für Leckagen
Die Art der Innenorganisation des Schrankes wirkt sich direkt auf die tägliche Sicherheit beim Umgang mit Reagenzien aus. Ausziehbare Fachböden erleichtern die Bestandsaufnahme des Inhalts, ohne tief in den Schrank greifen zu müssen, was das Risiko eines versehentlichen Kontakts mit Behältern im hinteren Teil der Konstruktion verringert.
Ebenso wichtig sind Auffangwannen und -schalen, die unter den Flüssigkeitsbehältern platziert werden. Im Falle einer Verpackungsbeschädigung begrenzen sie die Ausbreitung der Leckage und schützen so das Innere des Schrankes und die benachbarten Stoffe.
Der Zugang zum Schrank sollte ausschließlich auf befugte Personen beschränkt sein. Dazu dienen entsprechend ausgewählte Ausziehböden und Sicherheitsschlösser, die Raumorganisation mit Zugangskontrolle verbinden.
Eine klare Kennzeichnung des Inhalts darf ebenfalls nicht fehlen. Etiketten und GHS-Piktogramme auf den Behältern und Schranktüren ermöglichen im Notfall eine sofortige Identifizierung der Gefahrenart.
Trennung von Stoffgruppen: Eine Regel, die nicht ignoriert werden darf
Die Lagerung unterschiedlicher chemischer Gruppen in direkter Nachbarschaft ist einer der häufigsten Fehler in Laboren. Oxidationsmittel neben brennbaren Materialien oder Säuren neben Laugen bergen das Risiko einer unkontrollierten Reaktion, selbst ohne direkten Flüssigkeitskontakt.
Die Lösung besteht in der physischen Trennung der Stoffe – innerhalb einer einzigen Konstruktion durch Trennwände und separate Kammern oder, in größerem Maßstab, durch die Zuweisung getrennter Einheiten. Die Auswahl des geeigneten Gefahrstoffschranks sollte unter Berücksichtigung der vollständigen Liste der im Labor vorhandenen Verbindungen erfolgen.
Sicherheitsdatenblätter (SDB) und GHS-Piktogramme bilden die primäre Informationsquelle bei der Planung der Trennung. Sie weisen auf Kompatibilitätsgruppen hin und warnen vor Kombinationen, die sich nicht im selben Raum befinden sollten.
In der Praxis bewährt sich die vorherige Erfassung der im Labor verwendeten Reagenzien am besten; erst eine solche Übersicht ermöglicht eine bewusste Auswahl der Anzahl und Art der Schränke.
Unterbauschrank oder Hochschrank? Anpassung des Formats an das Labor
Das Format des Reagenzienschranks sollte der tatsächlichen Arbeitsweise im Labor entsprechen und nicht nur der verfügbaren Fläche. Unterbauschränke integrieren sich in die restliche Arbeitsplatzausstattung, sparen Platz und verkürzen den Weg zu häufig verwendeten Stoffen.
Hohe, freistehende Schränke erfüllen eine andere Rolle – als Lager für größere Reagenzienvorräte, das sich in Wirtschaftsräumen oder speziellen Chemikalienlagern abseits des aktuellen Arbeitsplatzes befindet.
Die Wahl zwischen den Formaten sollte sich auf drei Kriterien stützen: die Häufigkeit des Zugriffs auf ein bestimmtes Reagenz, die Menge der gelagerten Stoffe und die Fläche, die das Labor für die Chemikalienlagerung aufwenden kann.
In der Praxis ergänzen sich beide Formate oft. Ein gut durchdachtes Labormöbelsystem ermöglicht die Kombination von Unterbauschränken an den Arbeitsplätzen mit hohen Lagereinheiten.
Reagenzienschränke von Renggli: Erfahrung, die sich in Sicherheit niederschlägt
Die Auswahl eines Reagenzienschranks ist ein Prozess, bei dem keines der besprochenen Elemente isoliert von den anderen funktioniert. Beständiges Material verliert ohne effiziente Lüftung an Bedeutung, und die beste Lüftung ersetzt nicht die ordnungsgemäße Stofftrennung oder den Auslaufschutz. Erst die Kombination aus geeigneter Konstruktion, Feuerwiderstandsklasse, Lüftung, Sicherheitssystemen, Chemikalientrennung und einem an die Arbeitsweise angepassten Format schafft einen Schrank, der die realen Anforderungen eines Labors erfüllt.
Renggli bietet Lösungen, die all diese Aspekte berücksichtigen, von Sicherheitsschränken der Feuerwiderstandsklassen 30 und 90 Minuten über Lüftungs- und Sicherheitssysteme bis hin zu flexiblen Unterbau- und freistehenden Formaten, die innerhalb eines Labors kombiniert werden können.
20. August 2026
