Labortische mit Medieninstallationen – wie plant man Versorgungsleitungen?

Labortische mit Medieninstallationen – wie plant man Versorgungsleitungen?

Warum entscheidet das Medienkonzept am Tisch über den Erfolg des gesamten Labors?

Ein Labortisch ist weit mehr als eine gewöhnliche Arbeitsplatte. In der Praxis fungiert er als multifunktionaler Installationsknotenpunkt, an dem Stromversorgung, technische Gase, Wasser und Datenleitungen zusammenlaufen – und das in unmittelbarer Nähe zu Chemikalien und empfindlicher Messtechnik.

Mangelnde Abstimmung zwischen der Gebäudetechnik (TGA: Sanitär, Elektro, HLK) und dem finalen Labormöbellayout führt zur sogenannten „Bau-Falle“. Die Folgen sind teure Umbauten nach Abschluss der Ausbauarbeiten, das Aufstemmen fertiger Bodenbeläge und provisorische Kabelkanäle auf der Arbeitsfläche. Moderne Planungsansätze setzen daher bereits im Konzeptstadium auf vollständige Modularität und Skalierbarkeit der Installationen. Entscheidend ist die physische Trennung von Arbeitsbereichen und Medientrassen, was einen sicheren Betrieb garantiert und künftige Umrüstungen ohne bauliche Eingriffe ermöglicht.

Klassifizierung und Spezifik von Medien an Laborarbeitsplätzen

Eine fachgerechte Auslegung von Laborarbeitsplätzen erfordert die exakte Definition der Installationsarten und ihrer Nutzungsintensität. In der Elektro- und IT-Infrastruktur müssen standardmäßige 230V-Stromkreise für Kleingeräte, 400V-Drehstromsteckdosen sowie eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) für netzsensible Analysegeräte getrennt voneinander ausgeführt werden. Ein integraler Bestandteil moderner Tische ist zudem eine strukturierte Verkabelung der Kategorie 6a oder 7, die eine direkte Übertragung von Messdaten aus Chromatographen oder Spektrometern in betriebliche LIMS-Systeme gewährleistet.

Bei den Sanitärinstallationen gehört die Trennung von Kaltwasser und demineralisiertem Wasser (VE-Wasser) zum Standard, wobei letzteres über chemisch inerte Rohrleitungen (z. B. aus PVDF oder PP) geführt wird. Die Abwasserentsorgung erfolgt über Ablaufbecken aus Polypropylen oder Steinzeug – unter strikter Einhaltung der erforderlichen Gefälle unter der Arbeitsplatte. Der Gasbereich umfasst die Zuleitung von Inertgasen (Druckluft, Stickstoff, Argon, Helium) und brennbaren Gasen (Acetylen, Propan-Butan, Erdgas). Jede Gasgruppe verlangt abgestimmte Werkstoffe – von elektropoliertem Edelstahl bis zu entfettetem Kupfer – sowie zertifizierte Druckminderer und Nadelventile. Ergänzt werden kann die Arbeitsplatzinstallation durch punktuelle Punktabsaugungen wie Gelenkabsaugarme am Tischgestell oder Medienkanal, die Dämpfe direkt am Entstehungsort erfassen.

Tischtypen und Versorgungsarchitektur: Inseln, Wandtische und Traggestelle

Die Art der Medienverteilung ist eng an das räumliche Layout des Labors gekoppelt. Bei Wandtischen werden Medien meist direkt aus Installationsschächten oder über Aufputz-Installationskanäle zugeführt. Dies ist baulich unkompliziert, schränkt jedoch künftige Raumänderungen ein. Eine weitaus größere ingenieurtechnische Herausforderung stellen Laborinseln dar, bei denen die Leitungsführung von unten aus dem Boden oder von oben über Medienampeln bzw. Deckenanschlüsse erfolgt. In beiden Fällen sind leicht zugängliche Revisionsöffnungen zwingend einzuplanen.

Ebenso wichtig ist die Konstruktion des Tischgestells. Die Wahl zwischen A-Fuß, C-Fuß oder geschlossenen Rahmenprofilen bestimmt den Raum für die verdeckte Leitungsführung, die Reinigungsfreundlichkeit des Fußbodens sowie den Wartungszugang zu den Absperrorganen. Ein stabiles Gestell garantiert eine sichere Trassenführung, ohne dass die Möbelkonstruktion unter hohen statischen und dynamischen Lasten schwerer Analysegeräte an Steifigkeit verliert.

Renggli-Lösungen in der Medienverteilung – von Medienbrücken bis zur Deckenversorgung

Der Einsatz modularer Verteilersysteme ermöglicht es, Entnahmestellen exakt an das Forschungsprofil anzupassen. Zu den ergonomischsten Lösungen zählen Installationsbrücken und Medienaufbauten. Sie platzieren Gas- und Wasserarmaturen sowie Steckdosen oberhalb der Arbeitsplatte auf Augenhöhe des Anwenders. Dies befreit die Arbeitsfläche vom Kabelgewirr und verhindert das versehentliche Umstoßen von Laborgefäßen beim Bedienen der Hähne. In den Mehrkammerprofilen der Brücke wird die Elektroinstallation getrennt von Flüssigkeits- und Gasleitungen geführt, was Risiken ausschließt. Zudem integrieren moderne Brücken energieeffiziente LED-Leuchten für eine optimale Ausleuchtung des Arbeitsbereichs.

Ergänzt werden Medienbrücken durch Front- und Untertischpaneele an den Möbelblenden oder direkt unter der Plattenkante, die ein schnelles Abschalten von Medien ohne Hineingreifen in den Gefahrenbereich ermöglichen. In modernen, flexiblen Open-Space-Laboren sind Installationssäulen die bevorzugte Lösung. Die von der abgehängten Decke vertikal herabgeführte Versorgung erlaubt eine nahezu beliebige, zerstörungsfreie Neukonfiguration der Labortische – völlig ohne Eingriffe in den Fußboden und ohne teure Bauarbeiten.

Sicherheit, Normen und Langlebigkeit: Konstruktion nach den Regeln der Technik

Die Konstruktion installationsintegrierter Labormöbel unterliegt strengen harmonisierten Normen. Maße, Tragfähigkeit und Sicherheitsprüfverfahren werden durch die DIN EN 13150 definiert, während die Anforderungen an Planung und Montage von Labormöbeln in der DIN EN 14056 festgelegt sind.

Die Sicherheit am Arbeitsplatz erfordert mehrstufige Schutzvorkehrungen. Zur Standardausstattung gehört ein Not-Aus-Pilztaster, der im Gefahrenfall die gesamte Stromzufuhr des Tisches trennt. Gaskreise werden mit Magnetabsperrventilen ausgerüstet, die an Gaswarnanlagen gekoppelt sind, und in Nassbereichen sowie Chemieinseln werden Augenduschen direkt am Spülbecken integriert. Die Beständigkeit des Gesamtsystems steht und fällt zudem mit der Wahl des Arbeitsplattenmaterials und chemikalienbeständigen, dichten Mediendurchführungen, die das Eindringen aggressiver Substanzen in Installationsschächte und Schränke verhindern.


11. September 2026